Ratgeber Mauerwerksabdichtung
Woran Sie feuchtes Mauerwerk erkennen
Feuchtigkeit im Mauerwerk zeigt sich selten von einem Tag auf den anderen. Meist beginnt es mit einem dunklen Rand über der Bodenleiste, der im Winter wiederkommt und im Sommer verschwindet. Später blättert der Putz ab, weiße Kristalle treten aus der Wand, und der Raum riecht muffig, auch wenn regelmäßig gelüftet wird.
Diese Anzeichen erzählen etwas über die Ursache. Ein Feuchtigkeitsband, das etwa einen halben bis anderthalb Meter über dem Boden endet, spricht für kapillar aufsteigende Feuchtigkeit. Flecken, die nach Regen auftreten und in der Höhe wechseln, deuten auf seitlich eindringendes Wasser. Feuchte Stellen an Außenecken und hinter Möbeln entstehen dagegen oft durch Kondensation an kalten Bauteilen. Warum sich Putz von der Wand löst, haben wir in einem eigenen Beitrag beschrieben.
Wir messen die Feuchte im Mauerwerk in verschiedenen Tiefen und Höhen, prüfen die Salzbelastung und schauen uns den Sockelbereich und das anliegende Gelände an. Erst dieses Bild sagt, welches Verfahren trägt.
Nicht jedes Mauerwerk lässt sich gleich abdichten
Die meisten Beschreibungen einer Horizontalsperre gehen von homogenem Vollziegelmauerwerk aus. Am Niederrhein steht viel anderes, und daran scheitern Trockenlegungen regelmäßig.
Hohlblocksteine haben innen Kammern. Wird ein Injektionsmittel wie bei Vollmauerwerk eingebracht, läuft es in die Hohlräume ab, statt sich in den Kapillaren zu verteilen, und die Sperrschicht bleibt lückenhaft. Wir arbeiten hier zweistufig: Zuerst werden die Kammern im Bereich der geplanten Sperrschicht mit einer Suspension verfüllt, danach folgt die eigentliche Injektion in das nun geschlossene Gefüge. Das kostet einen Arbeitsgang mehr. Wenn Ihnen jemand eine Horizontalsperre für Hohlblockmauerwerk zum Vollziegelpreis anbietet, fragen Sie nach genau diesem Schritt. Fehlt er im Angebot, ist die Sperrschicht in zwei Jahren durchlässig.
Bruchsteinmauerwerk ist der zweite Sonderfall. Unregelmäßige Steinformate, breite Mörtelfugen und wechselnde Materialqualität sorgen dafür, dass sich ein Injektionsmittel unkontrolliert verteilt. Hier setzen wir auf ein Injektionsgel mit höherer Standfestigkeit und arbeiten mit engeren Bohrabständen und mehreren Bohrreihen, um die gesamte Wandstärke zu erfassen.
Mischmauerwerk aus mehreren Bauphasen findet sich in fast jedem Altbau, der einmal angebaut wurde. Dort kann eine Sperrschicht in einem Wandabschnitt einwandfrei funktionieren und im nächsten versagen. Wir prüfen deshalb den Wandaufbau abschnittsweise, bevor wir ein Konzept schreiben.
Wenn Sie nicht wissen, aus welchem Material Ihre Wände bestehen: Ein Foto der freigelegten Wand oder einer Bohrprobe reicht uns meist für eine erste Einordnung.
Wie eine nachträgliche Horizontalsperre entsteht
Die Horizontalsperre unterbricht den kapillaren Wassertransport im Mauerwerk. Dafür setzen wir eine Bohrlochreihe in einer durchgehenden Lagerfuge, üblicherweise im Abstand von zehn bis zwölf Zentimetern. Je nach Wandaufbau bohren wir waagerecht oder geneigt, damit die Bohrung mehrere Steinlagen und Fugen schneidet und keine durchgehende Kapillare unbehandelt bleibt.
In die Bohrlöcher wird ein Injektionsmittel eingebracht, entweder drucklos über Vorratsbehälter oder unter Druck. Wir arbeiten überwiegend mit Injektionscremes auf Silan-Siloxan-Basis, weil sie sich auch in feuchtem Mauerwerk zuverlässig verteilen und sich der Verbrauch pro Bohrloch genau steuern lässt. Anschließend werden die Bohrlöcher kraftschlüssig verschlossen. Den kompletten Ablauf beschreiben wir im Beitrag zur aufsteigenden Feuchtigkeit.
Nach der Injektion beginnt die Austrocknung. Eine 36 Zentimeter starke Wand braucht dafür je nach Durchfeuchtungsgrad und Raumklima mehrere Monate. In dieser Zeit arbeiten wir mit einem Sanierputz, der die austretenden Salze aufnimmt und die Wand atmen lässt. Wer direkt nach der Injektion einen dichten Putz aufbringt, produziert den nächsten Schaden. Das ist der häufigste Fehler, den wir bei Nacharbeiten finden, und er passiert fast immer aus Ungeduld.
Sockelabdichtung: der meistübersehene Bereich
Der Sockel ist die Zone zwischen Erdreich und aufgehender Wand. Dort wirkt Spritzwasser von oben, Kapillarwasser von unten und im Winter Frost. Genau hier scheitern viele Abdichtungen, weil die senkrechte Abdichtung der Kellerwand irgendwo unterhalb der Geländeoberkante endet und darüber nichts mehr kommt.
Eine saubere Sockelabdichtung führt die Abdichtung mindestens 30 Zentimeter über die spätere Geländeoberkante hinauf und bindet an die Horizontalsperre an. Verarbeitet werden dafür mineralische Dichtungsschlämmen oder Bitumendickbeschichtungen, darüber ein Sockelputz mit ausreichender Wasserabweisung. Was dabei zu beachten ist, lesen Sie in unserem Beitrag zur Sockelabdichtung.
Salzausblühungen und Salpeter
Die weißen, flaumigen Kristalle auf feuchtem Mauerwerk sind Salze. Sie stammen aus dem Baustoff selbst, aus dem Erdreich oder aus früherer Nutzung, etwa aus alten Ställen. Wasser transportiert sie an die Oberfläche, dort verdunstet es und die Salze bleiben zurück. Beim Kristallisieren dehnen sie sich aus und sprengen Putz und Anstrich ab.
Für die Behandlung gibt es mehrere Wege. Bei geringer Belastung reicht das mechanische Entfernen und ein Sanierputz, der die verbleibenden Salze im Porenraum einlagert. Bei starker Belastung wird der befallene Putz vollständig abgenommen und das Mauerwerk vor dem Neuaufbau behandelt. In manchen Fällen lassen sich Salze chemisch in schwerlösliche Verbindungen umwandeln, sodass sie nicht mehr wandern.
Solange der Wassertransport weiterläuft, kommen die Salze zurück. Ein neuer Putz verschafft Ihnen dann zwei bis drei ruhige Jahre, danach beginnt dasselbe von vorn.
Weiße Wanne, schwarze Wanne, nachträgliche Abdichtung
Im Neubau gibt es zwei Grundprinzipien. Die schwarze Wanne legt eine Abdichtungshaut aus Bitumenbahnen oder Dickbeschichtung außen um das Bauwerk. Die weiße Wanne verzichtet darauf und nutzt wasserundurchlässigen Beton als tragendes und abdichtendes Bauteil zugleich.
Im Bestand haben Sie diese Wahl nicht mehr. Dort geht es darum, eine fehlende oder gealterte Abdichtung nachzubilden, meist als Kombination aus Horizontalsperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit und einer flächigen Abdichtung gegen seitliches Wasser. Welche Belastung dabei anzusetzen ist, regelt die DIN 18533 über die Wassereinwirkungsklassen. Für den Keller haben wir das auf unserer Seite zur Kellerabdichtung ausführlicher beschrieben.
Warum Baumarktprodukte an ihre Grenzen stoßen
Im Baumarkt gibt es Injektionsflaschen, Sperrgrundierungen und Feuchtigkeitsblocker. Für kleine, klar abgegrenzte Stellen können sie helfen. Bei einem durchfeuchteten Mauerwerk stoßen sie schnell an drei Grenzen.
Die Menge stimmt nicht: Eine wirksame Horizontalsperre braucht eine berechnete Injektionsmittelmenge pro laufendem Meter und Wandstärke. Die Verteilung stimmt nicht: Ohne Kontrolle über Bohrabstand, Bohrwinkel und Aufnahmeverhalten des Mauerwerks bleiben Lücken, und eine Sperrschicht mit Lücken ist keine. Und die Ursache bleibt: Ein Anstrich, der Feuchtigkeit im Raum blockiert, verlagert sie nur an eine andere Stelle der Wand.
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Fall in Eigenleistung machbar ist, schicken Sie uns Fotos. Wir sagen Ihnen ehrlich, wann sich ein Angebot lohnt und wann nicht.
Was eine Mauerwerksabdichtung kostet
Für eine nachträgliche Horizontalsperre rechnen wir nach laufendem Meter Wand und Wandstärke. Bei einer üblichen Außenwand liegt der Meterpreis im niedrigen dreistelligen Bereich, bei Hohlblock- oder Bruchsteinmauerwerk höher, weil ein zusätzlicher Arbeitsgang dazukommt. Sanierputz, Sockelabdichtung und die Wiederherstellung der Oberflächen kommen separat dazu.
Für ein Reihenmittelhaus mit feuchten Innen- und Außenwänden im Erdgeschoss bewegt sich eine vollständige Maßnahme meist im mittleren vierstelligen Bereich. Den verbindlichen Preis nennen wir nach der Besichtigung, und er gilt dann auch.
Wo wir arbeiten
Für Mauerwerksarbeiten sind wir von zwei Standorten aus unterwegs: Neukirchen-Vluyn am Vluyner Platz und Erkelenz an der Südpromenade. Über die Niederlassung Erkelenz decken wir den Kreis Heinsberg und den westlichen Teil von Mönchengladbach ab, vom Hauptsitz aus den Kreis Wesel, Moers, Duisburg, Krefeld und Neuss.
Was diese Region für die Mauerwerksabdichtung besonders macht, ist die Bandbreite der Bausubstanz. Zwischen Erkelenz und Wesel finden wir Bruchsteinkeller aus dem 19. Jahrhundert, Hohlblockmauerwerk aus den Wiederaufbaujahren und Mischmauerwerk aus mehreren Anbauphasen, oft im selben Haus. Dazu kommen in den bergbaulich beeinflussten Lagen um Moers und Kamp-Lintfort Setzungsrisse, die dem Wasser eigene Wege öffnen. Ein Standardkonzept trägt hier selten.
Verbaut werden Systeme von Köster und MC-Bauchemie. Auf jede Abdichtung geben wir zehn Jahre schriftliche Gewährleistung.